Arbeitskreis
für Marine- und Heeres- sowie Luftschiff- und Seeflieger-Geschichte


Steampunk und Luftschiffe
eine untrennbare Geschichte

FAQ - 35 
Steampunk und Luftschiffe eine untrennbare Geschichte - und eine die seit langem virulent sprich verbreitet, aber trotzdem nahezu unbekannt ist. Als Science Fiction (vormals Zukunftsroman genannt) von gestandenen Literaten als Groschenroman-Genre peinlichst gemieden, inzwischen aber als eigenständige Literaturgattung anerkannt, bilden sich seit Jahren immer neue "Unterabteilungen" heraus. Eine davon ist der Bereich, der mit dem zusammengesetzten Begriff Steampunk bezeichnet wird. Was früher nur als literarische Strömung bekannt war, erfährt heute eine umfassende Verbreitung als Buch, Film, Spiel und Modetrend. 

Als geschichtlich interessiertem Mensch, der sich vorzugsweise mit der Zeit von etwa 1880 bis 1920 beschäftigt, fällt mir schon seit einigen Jahren auf, daß (auch) immer mehr junge Menschen diesen Zeitraum entdecken. Neudeutsch wird das u.a. mit dem Begriff Retro beschrieben. Gothic ist ein weiterer Begriff, der in diesem Zusammenhang fällt. Vor allem letzterer hat sich mittlerweile nicht nur als Modeströmung etabliert, sondern berührt viele Kulturbereiche. Musik und Mode waren Vorreiter, alternative Geschichtsschreibung (eine Literaturgattung) und Überdruß an einfallslosem Design in allen Bereichen des Lebens entwickeln nun ein stilistisch rückwärtsgewandtes Stilbild der Mode, Technik und Musik. Modisch werden zum Teil Rückgriffe auf viktorianische Zeiten gemacht. Insgesamt gesehen ist die Szene aber extrem vielfälltig ... es gibt nichts was es nicht gibt ... und zum Teil gehen die Stile übergangslos ineinander über.
        Der Webmaster hatte seit seiner Jugend eine Affinität zu dem damals noch nicht als Szene beschriebenen Genre. Da war man halt nur ein Fan von Jules Verne, ein Verfechter der Monarchie und liebte Dampfmaschinen und Luftschiffe. Seit Ende der 70er Jahre trug er regelmäßig in seiner Freizeit einen Zylinder mit dem entsprechenden Outfit dazu. In der Stadt (Flensburg) kannte man ihn allgemein als "Harry Zylinder". Erst gegen Ende der 80er geschah eine optische Umortierung in Richtung Square Dance und breitkrempige Cowboy-Hüte ... die Liebe zum Dampf und den Luftschiffen blieb. Als ich arbeitsmäßig Anfang der 90er Jahre zum Gleisbau kam und u.a. bei der Brockenbahn im Harz mitarbeiten konnte, rundeten sich die Erfahrungen ab. Viele Devotionalien und eisenbahnerische Erfahrungen fanden einen erfreuten Fan. -

Weitere persönliche Infos finden sich auf meiner Fragebogenseite und auf der Startseite
sowie bei www.Luftschiffwaffe.de (scrollen) "zu meiner Person"


Vor allem bei den technischen Strömungen gibt es Objekte, die unbedingt dazu gehören: Dampf und Luftschiffe. Die alternative Geschichtsschreibung ventiliert immer wieder den Gedanken wie sich die Dinge entwickelt hätten, wenn es bestimmte Ereignisse gar nicht oder anders gegeben hätte. Das beginnt mit dem Nichtereignis 1. Weltkrieg und dem folgerichtig (logischen) Fortbestand der König- und Kaiserreiche bis hin zu anders verlaufenden technischen Entwicklungen  in der Luftschiffahrt und Motorentechnik. Tatsächlich waren es die forcierten Bedingungen des Weltkrieges, die die Flugzeuge und Motoren mit anderen Bedingungen konfrontierte und die letztendlich die Luftschiffe in eine Nische der Technik verbannten. Tatsächlich waren die (deutschen) Luftschiffe bis zuletzt technisch gesehen "Hightech" wie man heute sagen würde. Bis zum Ausgang des Krieges 1918 waren sie Flugzeugen ebenbürtig oder gar überlegen. Die Jahre nach dem Krieg und der dort gezeigte Fortschritt in der Flugzeugtechnik zeigten klar, daß von einem technischen Rückstand der Luftschiffe noch nichts zu sehen war. Vielmehr vervollkommnete sich die Fahrtechnik und Sicherheit der Luftschiffe bei Hunderten von Fahrten über den Atlantik. Der Schlußpunkt am 6. Mai 1927 mit dem Absturz des LZ 129 "Hindenburg" war im Prinzip ein einmaliger Unfall. Da die (deutschen) Luftschiffe bis zum Schluß nicht wirklich gewinnbringend fuhren, waren sie auf die Unterstützung durch die politische Führung angewiesen. Die bröckelte nach dem spektakulären Untergang des LZ 129 massiv und fand ihren Schlußpunkt mit dem Kriegsausbruch 1939, als der Oberbefehlshaber der Luftwaffe befand, daß Luftschiffe nichts für die Zukunft wären.

Im Steampunk fand / findet der Weltkrieg und seine Folgerungen nicht statt. Dampfmaschinen werden allenthalben eingesetzt ... denn Dampfmaschinen "leben", wie der Nostalgiker sagt, und das ist ein entscheidender Punkt in der heutigen Welt mit ihren seelenlosen Erungenschaften. Auch Luftschiffe gehören zu den (lebenden) Maschinen, die mit ihrer Größe und (gedämpften) Geschwindigkeit dem Entschleunigungs-Bedürfnis heutiger Menschen Rechnung tragen.  Eine sehr gute Beschreibung findet sich bei Sarkomand (Zitat Beginn):"... Steampunk ist allerdings weit mehr als Visionen der Zukunft über das, was inzwischen bereits Vergangenheit ist. Steampunk verbindet Mode und Manieren der Jahrhundertwende vom 19. zum 20. Jahrhundert mit verschiedenen modernen und moderneren Elementen. Steampunk sucht sich eine Nische in der modernen
Welt und vermischt dort Technik von der Industrialisierung bis heute mit dem Entdeckergeist eines Livingstone, Darwin oder von Siebold und dem Forschungsgeist eines Dr. Frankenstein. Steampunk schmückt sich mit Messing und schützt sich mit einer Schutzbrille. Messing (Enlisch: Brass) und Schutzbrillen (Englisch: Goggles) sind ein wiederkehrendes Motiv innerhalb des Genres. Dies findet besonders in der brtischen Steampunk Online-Community Brassgoggles seinen Ausdruck. Steampunk kombiniert all diese Elemente und spinnt sie weiter. Literarisch gesehen ist Steampunk die Weiterentwicklung dessen, was Verne, Wells und andere begonnen haben, die modische Facette der Steampunk-Subkultur verbindet "Zeppelin-Chick" (siehe z.B. Abney Park weiter unten) mit Elementen viktorianischer oder wilhelminischer Kleidung und Stilelementen aus Punk und Gothic." (Ende des Zitats)


Stilleben a la Luftschiffharry
- ein türkischer Fez nebst Zylinder (hier der Harry auf einem Foto Ende der 80er Jahre) , Meerschaum-Pfeife und Kalabash -
- ein Büssing - die erste Omnibus-Linie (der Welt) Wendeburg Braunschweig -
- Anthologie Robert Kraft "Im Zeppelin um die Welt" -
- eine authentische Szene: das Marineluftschiff L 23 kapert die Bark "Royal" (23. April 1917) -

 


Erklärungen und Beschreibungen bei ... 
 
     technisches: Æther-Gleiter und Werkzeugkasten
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