Arbeitskreis
für Marine- und Heeres- sowie Luftschiff- und Seeflieger-Geschichte




FAQ 15
Wie können die Luftschiffe der Systeme Zeppelin und Schütte-Lanz relativ sicher unterschieden werden ?

Die Materie der Luftschiffahrt ist extrem vielfältig. Luftschiffe sehen für einen nicht eingeweihten Laien mehr oder weniger gleich aus (das kennt man ja auch aus anderen Bereichen). Aber es ist wie überall: mit ein paar kleinen Hilfsmittel (Listen, Bilder & Co) läßt sich alles relativ einfach überprüfen. Die erste und einfachste Hürde ist genommen sobald man Namen und Baunummern unterscheiden kann (siehe hierzu auch die FAQ 11). Das auffälligste Merkmal der deutschen Starrluftschiffe ist das Leitwerk am Heck des Schiffes. Insbesondere die frühen Luftschiffe bis zum Baujahr 1914 haben sehr individuelle Leitwerke. Erst ab den Baunummern LZ 24 (= L 3 Marine) bzw. LZ 25 (= Z IX Heer) setzen sich bei den Zeppeline die vom Luftschiffbau Schütte-Lanz bekannten stern- bzw. kreuzförmigen Leitwerke durch. Ich habe für den Vergleich ein PDF ins Web gestellt (1,4,MB), an dem sich die Typen studieren lassen. Das Typenblatt ist schon diverse Jahren alt und wurde von unserem verehrten Otto Heinz Hennigsen erstellt (also reine Handarbeit). Vielleicht findet sich ja mal ein grafikkundiger Computerfreak, der das alles viel schöner darstellen kann. 

Eine weitere gute Möglichkeit der Unterscheidung bei den Kriegsluftschiffen ist das Hoheitsabzeichen, das Eiserne Kreuz. Im Gegensatz zu heute war damals noch nicht alles bis aufs i-Tüpfelchen geregelt. Die Notwendigkeit von Hoheitsabzeichen an sich, offenbarte erst der Kriegsbeginn. Auch dazu läßt sich PDF laden (86 KB). Die Ausarbeitung dieser Liste stammt ursprünglich von Dr. John Provan (siehe Forscherliste) und wurde vor vielen Jahren im Mitteilungsblatt der "Marine Luftschiffer Kameradschaft Hamburg" veröffentlich. Auch hier wäre wünschenswert, wenn die Liste von einem Könner grafisch überarbeitet würde ...


Kommt Zeit, kommt Rat, nicht wahr ... !?






LZ 107 - STEROWCE NIEMIECKIE - DEUTSCHE LUFTSCHIFFE von Mariusz Wojciechowski

Eine Verwechselung, die ich in letzter Zeit immer wieder im Web beobachte, ist der Fall des Heeresluftschiffes LZ 77 (Baunummer  47, Bauwerft Friedrichshafen) mit dem Heeresluftschiff LZ 107 (Baunummer LZ 77, Werft Potsdam). Beide Schiffe sind "an sich" baugleich ... sie unterscheiden sich jedoch trotzdem erheblich. Baunummer LZ 47 ist ein p-Typ (von OHH auch als p-kurz (in der Grafik pk) bezeichnet. Einige p-Typen wurden später verlängert (= p-lang ... in der Grafik pl). Neuere Schiff baute man gleich in der "neuen" Länge, das sind die q-Typen. Die Baunummer LZ 77 ist ein q-Typ. Jede Werft hatte trotz gleicher Baupläne individuelle Merkmale an ihren Schiffen. So u.a. der Sporn am Heckleitwerk. Anhand dieses Merkmales lassen sie dié beiden Luftschiffe unterscheiden ... Neuere vergleichende Studien und ein paar Zufallsfunde haben Unregelmäßgkeiten in der Ausrüstung gefunden.Wir sind uns einig, daß es in einigen technischen Details (z.B. die Form der Seitenleitwerk-Klappen, Sporn offen, geschlossen oder gar nicht) immer wieder "Ausreißer" gab, weil die Kommandanten der Luftschiffe z.T. Einfluß nahmen, d.h. die Erfahrungen bzw. "Vorlieben" der Leute wurden berücksichtigt. Auch ließ der schnellebige Frontbetrieb und die Physik bzw. Natur einiges an Ideen ins Leere laufen (Korrosion, Reparaturbetrieb, verfügbare Zeit).  


Unterscheidungsmerkmale LZ 77 (LZ 47) zu LZ 107 (LZ 77)


 

LZ 77 - Heckleitwerk mit geschlossenem Sporn

  
Beim geschlossenem Sporn handelt es
sich um ein besonderes Merkmal
der Werft Friedrichshafen (LZ 77). 




 


LZ 107 - Heckleitwerk mit offenem Sporn



Beim offene Sporn 
handelt es sich um ein besonderes Merkmal
der Werft Potsdam (LZ 107).


 


Eine sehr häufige Verwechselung (vor allem in philatelistischen Kreisen verbreitet) ist die des zivilen LZ 6 mit dem Heeresluftschiff Z III (LZ 12). Das Ganze wird natürlich (auch) durch die stark verbreiteten Postkarten vom Besuch des LZ 6 in Tegel am 29. August 1909 hervorgerufen, da auf sehr vielen Bildern/Postkarten der Namenszug zu lesen ist. Selbst Luftschiffer wie Hugo Eckener haben immer wieder in Schrift und Wort zu dieser Verwirrung beigetragen ... hier erst mal ein paar Details:

System Zeppelin
Baunummer LZ  6
Name - kein eigener Name, auch wenn das Luftschiff immer wieder fälschlicherweise 
             in der Literatur als "Z III"
(siehe LZ 12 unten) angesprochen wird
Erste Fahrt 25.08.1909

Biographie
Der LZ 6 wurde zu keiner Zeit als Heeresluftschiff übernommen, obwohl die Friedrichshafener Werft damit rechnete. Die verschiedenen Testfahrten durch die Heeresbehörden brachten nicht die gewünschten Ergebnisse. Diese u.a. mit militärischen Personal durchgeführten Fahrten erzeugten vor allem bei außenstehenden Personen, aber auch bei Leuten wie Hugo Eckener die "Hoffnung" bzw. feste Überzeugung eines Heeresluftschiffes in der Erprobung. In der Folge finden sich immer wieder auf Fotographien, Postkarten und in unzähligen Publikationen die Bezeichnung des Luftschiffes LZ 6 als "Z III". Die Name wurde indessen dem späteren Luftschiff LZ 12 verliehen.   
        Erste Fernfahrt nach Berlin am 28.8.1909, auf der Rückfahrt Havarie (Propeller verloren). - Am 11.9.1909 zur ILA Frankfurt a.M. - Am 17.9.1909 kurzzeitiges Erscheinen beim Kaisermanöver (Führung: Graf Zeppelin) ... dabei Rendevouz mit M II. - Umbau ab 12.2.1910 (Um ein Abteil verlängert; eine dritte Gondel mit Maschine zum Versuch eingebaut; zwei Motoren in der hinteren Gondel eingebaut; Versuche mit Stahlbandantrieb es wurde aber ein Wellenantrieb eingesetzt.), danach an die DELAG abgeliefert.
       Der LZ 6 hat dann doch eine beachtliche zivile Karriere gemacht und zahlreiche auch militärische (u.a. Versuche mit drahtloser Telegrafie) Fahrten absolviert. Im Zeppelin-Katalog (22. Auflage 2001) des Hermann-E. Sieger-Verlages (der auch die o.a. und andere Fehler1 enthält) werden die Fahrten im Detail genannt. Unter Führung der DELAG insgesamt 34 Passagier- und Postfahrten. Nach insgesamt 73 Fahrten am 12.09.1910 in der Halle zu Baden-Oos verbrannt.

1      Die Fehler habe ich  - verspätet :-((  ....... - an die Arbeitsgemeinschaft Zeppelinpost sowie den Sieger-Verlag gemeldet ... .
        Das Schreiben wurde von Frau Elsbeth Sieger sehr freundlich beantwortet (telefonisch wie auch eMail). Sie versprach, daß die Fehler in der 23. Auflage des Kataloges berichtigt würden.



Unterscheidungsmerkmale LZ 6 (nicht Z III / LZ 12 !) zu anderen Luftschiffen

  achtern 4 Dämpfungsflächen, jeweils 2 x 4 Höhenruder vorn und achtern, großes Seitenruder
  nach dem Umbau achtern statt eines großen Seitenruders 6 kleine Seitenruder (siehe hier)
Propeller ursprünglich vorn 2-flügelig, achtern 4-flügelig, später 4 + 4 Ausstattung


Umbau ab 12. Februar 1910: um ein Abteil verlängert; eine dritte Gondel mit Maschine zum Versuch eingebaut; zwei Motoren in der hinteren Gondel eingebaut; Versuche mit Stahlbandantrieb - es wurde aber ein Wellenantrieb eingesetzt.




Unterscheidungsmerkmale Z III (LZ 12) zu anderen Luftschiffen


  achtern 6 Seitenruder, 8 Höhenruder
Im Gegensatz zu LZ 6 und anderen frühen (Verkehrs)Luftschiffen  
Passagierkabine direkt hinter der Führergondel  




Es gibt sicher noch eine ganze Reihe von "Problemen", die sich im Endeffekt nur durch Bildmaterial-Vergleiche lösen lassen. Ich bitte in diesem Fall um eine direkte Ansprache. Auch bin ich dankbar für Hinweise auf andere unklare Fälle ... als "Spezialist" wird man nach einer Weile blind für bestimmte "Kleinigkeiten" ...
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