Arbeitskreis
für Marine- und Heeres- sowie Luftschiff- und Seeflieger-Geschichte




Diskussion (Beginn: 21. März 2006)


"Tradition in Deutschland - Traditionspflege in der Bundeswehr"

eMail-Verkehr und Reaktionen ...
(Auswahl - in etwa chronologisch, nach Eingang)

Hallo Herr Redner,
Dank für die interessanten Darlegungen. Das Essay "Wenn alle nur übereinander aber..." sollte im LOYAL abgedruckt werden!



an den "Chef vom Dienst", Zeitschrift "Loyal"

Sehr geehrter Herr Seliger,
als Mitglied des Reservistenverbandes habe ich die seit Monaten andauernde Diskussion in der "Loyal" verfolgt und bin (mal wieder) betrübt bis entsetzt. Mein Entsetzen habe ich in zwei Artikel "gegossen", die für einen Leserbrief zu lang sind. Ich gehe auch davon aus, daß Sie weder einen Leserbrief (dieser Art) veröffentlichen würden noch einen Artikel. Die Länge wäre nicht das grundsätzliche Problem (vermute ich mal), sondern eher seineEssay
 politischen Aussagen. Es ist leider ein Fakt, daß "Loyal" sich als verlängerter Arm des Verteidigungsministeriums geriert (= Hofberichterstattung) und nicht als Sprachrohr des Reservistenverbandes der Bundeswehr. Pluralismus weit gefehlt - das sieht man u.a. an den Attacken, die Briefschreibern widerfahren, wenn sie mal Klartext reden.
Bürger in Uniform ? War schon damals mehr Wunschtraum denn Wirklichkeit ... heute weniger denn je.

  ... siehe nachfolgende Links:

http://www.luftschiffharry.de/faq12.htm

http://www.luftschiffharry.de/Tradition_Diskussionskultur-in-Deutschland.htm

Auch wenn Sie dieses Mail letztendlich in den Müll werfen, würde ich es nett finden, wenn Sie die Information zumindest an Oberstleutnant John Zimmermann von der Offizierschule der Luftwaffe weiterleiten, das wäre aus meiner Sicht fair, da er namentlich genannt und kommentiert wird.

Als letztes möchte ich aus einem Mail zitieren, daß ich von einem befreundeten Amerikaner bekommen habe, der (wie diverse andere auch) diese Informationen bzw. Artikel bekam: (Zitat)

"Hallo Harry,
ich kenne keine Nation, die so schlecht mit ihrer Militär-Geschichte und -Tradition umgeht, wie Deutschland.  Schau mal das Luftwaffen Museum in Gatow an, und vergleiche es mit dem US Air Force Museum in Dayton, Ohio. Oder die zahlreichen Army Museums in den USA oder England, und hier gibt es nur ein Wehrtechnisches Museum, voll und schlecht ausgestattet. Obwohl ich schon über 47 Jahre in Deutschland lebe, und nur 4 Jahre in der USA, bin ich und bleibe ein Amerikaner. Und obwohl ich Bush nicht mag, bin ich stolz darauf.     John"  (Ende des Zitats)

Mit freundlichen Grüßen

Harry C. Redner Oberbootsman d.R. (Dienstzeit 1971 - 1983)



"Der Denkerclub" von 1819, eine Karikatur auf die "Karlsbader Beschlüsse", die die Pressezensur in Deutschland verschärften.


Gedanken von Andy (Textstruktur nur unwesentlich verändert ...)

Ich hab mir das nun schon zum zweiten mal- einmal heute auf arbeit und nun abends zu hause noch mal durchgelesen.

Es ist in etwa so, was auch ich darueber denke. Deine betrachtungen kann man auch auf einige andere themen ummuenzen, die leider auch so farb- und lieblos angefasst werden.

Ich habe vor zwei/drei tagen auch einmal ueber einen aehnlichen satz nachgedacht, welchen du am ende deines textes hinterfragst. Ich hatte mir die frage gestellt:

'kann ich von mir behaupten deutscher zu sein'
'was bedeutet diese aussage'
'darf ich das ueberhaupt so sagen'
'wie klingt das im ausland /auslaendern gegenueber'

Und dann kam ich innerhalb kurzer zeit zu dem schluss, Ja Ich muss das sogar so sagen. Wenn ich z.b. unsere eishockey-mannschaft anschaue, dann sagt mir ein grossteil einfach klar ins gesicht. Ich bin tscheche, oder ich bin canadier. Klingt das bloed? Nein? Es ist eine klarstellung, ohne das es in meinen ohren einen negativen nachhall hinterlassen wuerde.

Aber dieses 'deutsch' klingt in unseren 'deutschen' ohren immer aengstlich. Ja nicht zu laut sagen, es koennte jemand missverstehen. Ja nicht zu oft sagen, dann bekommt jemand angst.

Es gibt so viele deutschen tugenden die neben den dichtern und denkern eben auch die handwerker und wissenschaftler einschliesst. Und wenn man dies so betrachtet, dann kann man auch an der einen oder anderen stelle stolz sein, das z.b. ein graf zeppelin ein deutscher war und sein gedanke weiterlebt.

Soweit erst einmal, da dieses thema zeug fuer wochen und monate besitzt.

Viele gruesse



zensierter Brief an die Chemische Fabrik Griesheim,
die im 1. Weltkrieg sehr viel mit Luftschiffer-Einheiten und Luftschiff-Kommandos zusammen arbeitete




Sehr geehrter Herr Redner,

es steht Ihnen natürlich völlig frei, sich in einem entsprechend kurzen Leserbrief zur Diskussion "Situation der Bundeswehr" zu äußern. Damit er
dann auch eine Chance auf Veröffentlichung hat, muss er folgende Kriterien erfüllen:

- er muss sich auf ein konkret in einer der letzten Ausgaben behandeltes Thema beziehen
- er muss frei von Antisemitismus, Kriegsverherrlichung und Geschichtsverzerrung sein, sprich: er muss den in Deutschland geltenden Rechten entsprechen.

Zunächst müssen Sie selbst entscheiden, ob Ihr möglicher Leserbrief diese Kriterien erfüllte.


In der Hoffnung, Ihr "Entsetzen" (wenn Sie mich fragen, dann bin ich "entsetzt" über einen Terroranschlag auf Bundeswehr-Soldaten in Kabul, aber
nicht über den Fortgang einer Traditionsdiskussion) möge sich gelegt haben und Ihnen versichernd, dass ich den Arm des Verteidigungsministers -
entgegen Ihrer Feststellung ("Fakt") - bis in diese Redaktion hinein nicht wirklich spüren kann,

verbleibe ich mit freundlichen Grüßen

Marco Seliger



Hallo Herr Seliger,
nun "Entsetzen" war vielleicht ein bißchen dick aufgetragen (in Relation
zu Ihrem Kabuler Terrorbeispiel) ... ich finde es aber in einer aufgeklärten Demokratie (und das wollen wir doch sein) unpassend über eine andere Meinung mit "Axthieben" herzufallen - und das geschieht leider immer wieder (auch in "Loyal"). Das Merkmal einer pluralistischen Gesellschaft ist nun mal die Vielfalt der Meinungen etc. Unbequeme ("andere") Meinungen lassen sich nicht per Rechtsverordung oder Redaktionsstatut aus der Welt schaffen. Die Richtline "muss frei von Antisemitismus, Kriegsverherrlichung und Geschichtsverzerrung sein, sprich: er muss den in Deutschland geltenden Rechten entsprechen" liest sich erst mal gut ... aber wer entscheidet, ob dies so ist. Es geht auch gar nicht darum, ob die Redaktion einen Leserbrief zuläßt oder nicht,
sondern um den miesen Diskussionstil, der allenthalben (also nicht nur in "Loyal") in deutschen Blättern herrscht. Was wirkliche Meinungs- freiheit bedeutet (mit allen ihren Vor- und Nachteilen) hat der Großteil der Deutschen noch gar nicht begriffen. Die USA sind da wesentlich weiter ... auch wenn ich persönlich viele Dinge in den Staaten für indiskutabel halte. Diese Geistesfreiheit in den (sonst fundamentalistischen) USA ist das einzige, was diesen von den entsprechenden arabischen "Gegenwelten" unterscheidet.

============================================================

»Ihre Meinung ist das genaue Gegenteil der meinigen, aber
ich werde mein Leben daran setzen, daß Sie sie sagen dürfen.«

 Voltaire (1694-1778)

und

"Freiheit ist immer Freiheit der Andersdenkenden", schrieb Rosa Luxemburg im Sommer
1918 in kritischer Auseinandersetzung mit den Bolschewiki in ihrer
Schrift "Die russische Revolution".

============================================================                                              "Fliegende Blätter" (1844 - 1944) Link

... soviel zur "Legitimation" von Gesetzen, die die Gedanken- und Redefreiheit beschneiden.


Mit freundlichen Grüßen

Harry C. Redner




Hallo lieber Freund,
die Abhandlung ist gut und vor allem notwendig! Anerkennung deshalb. Ich hätte nur kleine Randbemerkungen:

"Ein Staat ohne Militär und die dazugehörigen Rituale sind also heutzutage weltweit undenkbar." Dazu ein Sprichwort: Jedes Volk hat ein Militär, wer kein eigenes hat, bei dem steht ein fremdes...

""Der Satz "Ich bin stolz ein Deutscher zu sein !" geht aber meiner Meinung nach in die falsche Richtung."" Bitte sieh hier bei Tucholski nach, "Worauf man stolz ist in Europa", nach allerlei kritischem Zynismus in diesem Gedicht endet er damit (sinngemäß): "Ich bin Jude. Wäre ich nicht stolz darauf, wäre ich trotzdem Jude, also bin ich stolz darauf." - Schon aus dieser Logik sollter unsereiner auch das Recht zum Stolz (nicht zur Überheblichkeit) haben.

Kameradschafliche Grüße



wird fortgesetzt ...