Ehrenbecher
“Ehrenbecher für erfolgreiche Angriffe aus der Luft”
oder
"Ehrenbecher für den Sieger im Luftkampfe”
Bereits
1986 berichtete Klaus Borrmeister über einen
"bisher unbekannten
Ehrenpokal für Luftschiffer", anhand seiner optischen Erscheinung
(Motiv) seither auch als "Thor-Pokal" bekannt. Dem Webmaster ist dieser
Pokal erst seit Dezember 2004 bekannt. John Bell aus New York fragte in
einem eMail nach weiteren Informationen zu dieser Thematik. Seit dem
sind

wirkliche
neue Nachrichten dazu nur spärlich geflossen. Im Jahre 2005 gab es
bei Ebay eine Auktion dazu, die aber natürlich nicht mehr
zugänglich ist. Es gab letztendlich einige wenige Fotos und
kaum Informationen. Die "Thor-Pokale" sind aber im eigentlichen Sinne
nichts wirklich neues bzw. unbekanntes.
Bereits seit 1915 wurden Pokale an die Heeresflieger
für Luftsiege
verliehen ("Dem Sieger im Luftkampfe"). Der Pokal, der ein fast
identisches Grund-Design wie die (erst nach dem Kriege verliehenen)
Luftschiffer-Thor-Pokale hatte, zeigte als Motiv zwei kämpfende
Adler. - Während des Krieges gab es also nur die undatierten
und nicht personifizierten Pokale für gewonnene Luftkämpfe
der Heeresflieger. Solche Einzelkämpfe konnten die
Heeresluftschiffer naturgemäß nicht vorweisen. Insofern hat
es eine gewisse Logik, daß nach Kriegsende die Möglichkeit
geschaffen wurde, auch verdienten Heeresluftschiffern - außerhalb
irgendwelcher Ordenverleihungen - ein Auszeichnung zukommen zu lassen.
Was auffällt (zumindestens nach heutigem Erkenntnisstand), ist,
daß keine der Pokale an die jeweiligen Luftschiff-Kommandanten
verliehen wurde, sondern in allen Fällen an untergeordnete
Soldaten ...
Nach dem verlorenen Krieg gab
es ab etwa Ende 1919 Aktivitäten von staatlichen wie auch privaten
Stellen, die sich der "Seelenpflege" der vormaligen und aktiven
Soldaten widmeten. Dies gipfelte in verschiedenen monetären
Unterstützungsaktionen verschiedener Behörden und
Institutionen, die je nach ihrer Klientel unterschiedliche Projekte
anschoben. Gemeint ist in diesem Falle die Produktion und Verleihung
von Ehrenpokalen und Abzeichen an Angehörige der
Luftstreitkräfte.
Die Verleihungen stehen nach heutigem
Kenntnisstand in direktem Zusammenhang mit (nach Meinung des
Webmasters) Image-Werbeaktionen der deutschen Luftfahrtindustrie. Sie
stellte mit dem werbewirksamen Datum des 10. Todestages des Grafen
Zeppelin am 8. März 1927 eine ungenannte Summe für
Auszeichnungszwecke zur Verfügung. Das Geld wurde
treuhänderisch vom Chef des Feldflugwesens, Oberst von der
Lieth-Thomsen
verwaltet. Die Verwaltung der Dienststelle schrieb die Ausgezeichneten
an und unterrichtete sie von der Verleihung der Ehrengabe.
Es wurden verschiedene Ehrengaben gesponsert.
Die größte Bekanntheit erlangten die
Erinnerungsabzeichen für Marineluftschiffer, die es in 585er Gold
gab, aber auch als einfache Goldbronze. Für die Heeresluftschiffer
gab es eine entsprechende Variante in 935er Silber. Einige Details kann
man diesem
PDF
entnehmen. Man muß aber bedenken, daß es außer
den gesponserten Exemplaren der
Deutschen Luftfahrtindustrie aus dem Jahre 1927 (siehe Bilder) viele
verschiedene Juwelier-Anfertigungen gab, die von den Soldaten selbst
bezahlt wurden. Die Verleihung der Erinnerungsabzeichen stammt aus den
Jahren 1920 - 22. Die Abzeichen mußten von den Luftschiffern
selbst gekauft werden, die verleihenden Behörde
beschränkte sich darauf eine Verleihungsurkunde zuzuschicken.
Beispiel eines vor Jahren bei Ebay angeboten
Heeresluftschiffer-Erinnerungsabzeichen
gesponsert von der Deutschen Luftfahrt Industrie
Stiftungsdatum 3. März 1927
Analog
zu den gesponserten Verleihungen von Erinnerungsabzeichen der
Luftschiffer gab es ähnliche Aktionen für die Flieger. Es
wurden auch hier Abzeichen, Pokale und andere Ehrengaben wie Figuren
aus Bronze verliehen. Es gab immer wieder Neuauflagen wie sich dem
Schreiben an Hermann Göring entnehmen läßt (siehe Link
"Gentlemen´s Military Interest Club" ). Die vorgenannten Aktivitäten bzw. die Ehrengaben (Pokale etc.) sind in der Szene hinreichend bekannt.
Bis zu der Publikation von Klaus Borrmeister im
Jahre
1986 waren Pokale für einzelne erfolgreiche Angriffe unbekannt. Im
Laufe der Jahre sind bisher sechs Verleihungen bekannt geworden. Die
Objekte befinden sich heute zum großem Teil in musealem Besitz.
Die namentliche Zuordnung der Pokale ist nur zum Teil bekannt (siehe
unten). Im Falle des Hauptmann Kleinschmitt
wurde statt des "Thor-Pokals" eine Bronzefigur mit entsprechender
Gravierung verliehen. Man kann aufgrund dieses Vorganges davon
ausgehen, daß die Auflagen der Ehrengaben limitiert waren
... wie gesagt, es gab mehrere bzw. wiederholte Aktionen. Wer die
Auswahl traf respektive wer die Hinweise zu den Verleihungen gab, ist
unbekannt. Es ist aber anzunehmen, daß der Feldflugchef
bzw. seine Dienststelle Kontakt mit ehemaligen
Luftschiff-Kommandanten und anderen relavanten Stellen und
Personen aufnahm und dann eine Entscheidung traf.
Auch ist (offiziell) unbekannt
welche präzisen Taten gewürdigt wurden. In der
Verleihungsurkunde wurde jeweils nur allgemeine Angaben gemacht. Das Geschehnis (Tag, Ort,
Luftschiff) wurde expliziet
nicht genannt.
Alle
bisher bekannten Urkunden haben lediglich das Datum der
Ausstellung der Urkunde vom Januar 1919, den Namen und Dienstgrad verzeichnet.
Somit muß das betreffende Luftschiff
und der Ort mit dem der zugehörige Becher graviert wurde, erst durch
Ausschlußverfahren zugeordnet werden.
Bis dato sind folgende Verleihungen publik geworden (jeweils Ort, Datum, Luftschiff und Empfänger)
- die Numerierung ist rein zufällig und stellt keinerlei Wertung dar:
- - Lüttch - 5.8.1914 - Heeresluftschiff Z VI
Hauptmann Kleinschmidt (Bronzefigur statt Becher*4)
- - Mlawa - 10.8.1914 - Heeresluftschiff Z IV
Hauptmann Felix Jacobi (= 1. Wachoffizier) - (Kommandant Hauptmann Wilhelmn von Quast)
- - Paris - 20. / 21.3.1915 - Heeresluftschiff Z X oder LZ 35
Empfänger = ???? (Kommandant Hauptmann Alfred Horn = Z X) oder (Kommandant Hauptmann Hans Masius = LZ 35)
- - London - 31.5 / 1.6.1915 - Heeresluftschiff LZ 38
Feldwebelleutnant Karl Volkmann
- - Dünaburg - 4.2 / 5.2.1916 - Heeresluftschiff LZ 86
Obermaschinist Georg Jockers
- - Mudros - 20. / 21.3.1917 - Heeresluftschiff LZ 101
Obersteuermann Adam Seibert
- - Galaz - 25. / 26.12.1916 - Heeresluftschiff LZ 101
Empfänger = ???? (Kommandant Oberleutnant Fritz Koreuber)
- - Antwerpen - 24.8.1914 - Heeresluftschiff Z IX
Hauptmann Hans Masius (= 1. Wachoffizier) - (Kommandant Hauptmann Alfred Horn)
- - Calais / Ostende - 16. Mai 1915 - Heeresluftschiff LZ 39
Leutnant d.R. OberIngenieur Max Elias
- - laut Posting im "Gentlemen´s Military Interest Club" (Eintrag von Eric Stahlhut vom 6. Juni 2008) hatte vermutlich der bekannteste unter den deutschen Heeresluftschiffern,
Oberleutnant z.S. d.R. Ernst August Lehmann,
einen der so genannten Ehrenbecher. Leider weiß der Autor des
Postings im Moment auch nicht mehr. Es muß sich auf jeden Fall um
einen neuen / weiteren Ehrenbecher handeln, da
er nicht in die Liste der noch nicht zugeordneten Ehrenbecher
paßt. *1
- - noch keine weiteren Daten, außer daß der Pokal sich z.Zt. vermutlich in Ludwigsburg befindet ...
- - Rjeshitza (Rejzyca / Rezekne) - 27. / 28. 4.1916 - Heeresluftschiff LZ 86
Fahringenieur Willi Schumann (Bronzefigur statt Becher*4) - (Kommandant Hauptmann Walter Wolff)
*1
Lehmann fuhr während des Krieges auf folgenden Heeresluftschiffen:
"Sachsen" (1.8.1914 – 12.1914),
Z XII (1.15 – 10.1915),
LZ 90 (1.1.1916 – 28.4.1916),
LZ 98 (28.4.1916 – 31.1.1917),
LZ 120 (1.2.1917 – 9.1917) -
Nach einer Durchsicht der Luftschiff-Biographien,
scheint es wahrscheinlich, daß die Verleihung in der Ära
"Z XII" fällt und hierbei möglicherweise für den Angriff
vom
10. / 11. August 1915 (Angriff Bahnhof Bialystok - Gleisdreieck Starosselty - Bahnhof
Lapy, Notlandung auf dem
Kellarensee
(südlich Allenstein, polnisch: "Jezioro Kielarskie")
wegen Nebel und
Treibstoffmangel. (siehe Angriffsbericht "Die Luftschiffwaffe des
Heeres", Kapitel
"Einsätze", Seite 109 - 115).
1918 erhielt Oberleutnant
z.S.
Horst Freiherr Treusch von Buttlar-Brandenfels für eine
ähnlich
perfekte Leistung*2 den
Pour le Mérite. Er blieb neben
Fregattenkapitän
Peter Strasser*3, der auch ein Kommandantenzeugnis für Luftschiffe
besaß, der einzige Luftschiffer mit dieser höchsten
Auszeichnung.
*2 am 13. März 1918 mit dem L 54
*3 der Pour le Mérite wurde in diesem Fall
aber für die Führungsleistung
des F.d.L. verliehen (30.
August 1917)
*4 Metallfigur auf Mamorsockel in Siegerpose mit
Eichenlaub in der ausgesteckten rechten Hand, die Figur ist ca.38
cm hoch
Skulptur für erfolgreiche Angriffe aus der Luft
verliehen an Fahringenieur Willi Schumann
Figur ohne Sockel ca. 30 Zentimeter
in der rechten Hand: Lorbeer
in der linken Hand: Schwert mit Eichenlaub
Signierung am Fuß: Schmitt-Felling
Widmung: Rjeschitza 27.4.16
Versuch einer zusätzlichen bzw. anderen Darstellung ...
chronologische Sortierung
| Datum |
Ortsangabe |
Luftschiff |
Empfänger |
| 5. August 1914 |
Lüttich |
Z VI |
Hauptmann Kleinschmitt*3 |
| 24. August 1914 |
Antwerpen |
Z XI |
Hauptmann Hans Masius*1 |
| 10. August 1914 |
Mlawa |
Z V |
Hauptmann Felix Jacobi |
| 20. / 21. März 1915 |
Paris |
Z X oder LZ 35*4 |
... noch unbekannt ...  |
| 16. / 17. Mai 1915 |
Calais |
LZ 39 |
OberIngenieur Max Elias |
| 31. Mai / 1. Juni 1915 |
London |
LZ 38 |
Feldwebelleutnant*2 Karl Volkmann |
| 4. / 5. Februar 1916 |
Dünaburg |
LZ 86 |
Obermaschinist Georg Jockers |
| 27. / 28. April 1916 |
Rjeshitza |
LZ 86 |
Fahringenieur Willi Schumann |
| 25. / 26. Dezember 1916 |
Galaz |
LZ 101 |
... noch unbekannt ...  |
| 20. / 21. März 1917 |
Mudros |
LZ 101 |
Obersteuermann Adam Seibert |
alphabetische Sortierung der Orte
| Ortsangabe |
Datum |
Luftschiff |
Empfänger |
| Antwerpen |
24. August 1914 |
Z XI |
Hauptmann Hans Masius*1 |
| Calais |
16. / 17. Mai 1915 |
LZ 39 |
OberIngenieur Max Elias |
| Dünaburg |
4. / 5. Februar 1916 |
LZ 86 |
Obermaschinist Georg Jockers |
| Galaz |
25. / 26. Dezember 1916 |
LZ 101 |
... noch unbekannt ...  |
| London |
31. Mai / 1. Juni 1915 |
LZ 38 |
Feldwebelleutnant*2 Karl Volkmann |
| Lüttich |
5. August 1914 |
Z VI |
Hauptmann Kleinschmitt*3 |
| Mlawa |
10. August 1914 |
Z IV |
Hauptmann Felix Jacobi |
| Mudros |
20. / 21. März 1917 |
LZ 101 |
Obersteuermann Adam Seibert |
| Paris |
20. / 21. März 1915 |
Z X oder LZ 35*4 |
... noch unbekannt ...  |
| Rjeshitza |
27. / 28. April 1916 |
LZ 86 |
Fahringenieur Willi Schumann |
*1 an Bord als 1. Wachoffizier (= WO)
*2 letzter Dienstgrad in der Luftschiffwaffe
*3 bekam "nur noch" eine Bronzefigur
*4 Kommandant Hauptmann Alfred Horn = Z X oder Kommandant Hauptmann Hans Masius = LZ 35
Ergänzungen - Berichtigungen - herzlich willkommen !
Quellen - Links:
-
"Ein bisher unbekannter Ehrenpokal für Luftschiffer"
von Klaus
Borrmeister, Sonderddruck "Der Herold - Vierteljahresschrift für
Heraldik, Genealogie und verwandet Wissenschaften",
Band 11, 29. Jahrgang 1986, Heft 11 (Artikel in meinem Besitz, Danke an John Bell, New York !)
-
"Der Ehrenbecher für erfolgreiche Angriffe aus der
Luft"
von Klaus
D. Patzwall in "Militaria - Fachorgan für
Auszeichnungen, Uniformierung, Militär und Zeitgeschichte" Ausgabe
März/April 2002
(Artikel in meinem Besitz, Danke an John Bell, New York !)
-
The Aerodrome - Thread -
"Id Mystery Ehrenbecher "solved" (vom Februar 2005) - Pseudonym "Aerowallah" = John Bell
-
The Aerodrome - Thread
-
"Mystery Ehrenbecher - new information" (vom 30. Juli 2008)
-
"Gentlemen´s Military Interest Club" - Pseudonym "Luftmensch" = John Bell
- Fliegerabzeichen und Orden -
Militaria Archiv - Carsten Baldes
e.K.