Arbeitskreis
für Marine- und Heeres- sowie Luftschiff- und Seeflieger-Geschichte




(Versuch einer Darstellung bzw. Entwurf !)
Dienstgrade und Abzeichen
der
Kaiserlichen Marine
in Bezug
auf die militärische Luftschiffahrt*

*         Ausführungen zur Luftschiffahrt speziell siehe ganz unten

Die Anfrage eines Freundes offenbarte eine mehr oder weniger große Informationslücke. Oder vielmehr die Nicht-Existenz von schriftlichen und bildlichen Zeugnissen zur Materie der Dienstgrade und Abzeichen der Kaiserlichen Marine, teilweise auch die des Heeres. Das kaiserliche Militär respektive das preußische Militär ist bekannt für seine überaus vielfältigen Uniformen und die dazugehörigen Accessoirs. Ganze Industrien lebten davon und selbst hohe adlige Herrschaften einschließlich des Kaiser selbst waren sich nicht zu schade immer wieder 
neue Ergänzungen und Änderungen des Uniform-Umfeldes zu ersinnen.
        Das deutsche Militär war ursprünglich eine reine Landmacht und bekam erst ab dem Jahre 1848 eine offizielle maritime Variante. Nicht nur gab es (fast) keine (Kriegs)Schiffe bis zu diesem Datum, nein auch Uniformen und entsprechende Dienstgrade mußte
n erst gefunden bzw. entwickelt werden. Aus pragmatischen Gründen entlehnte man sehr häufig Dienstgrade, Uniformen, Exerzier-Regeln und anderes aus anderen erfahrenen (ausländischen) militärischen Formationen wie der britischen oder der niederländischen Marine. Speziell die Uniformen machten starke Anleihen bei den Briten, die Dienstgradbezeichnungen waren anfangs ein wilder Mischmasch aus deutschen Heeresbezeichnungen und neuen deutschen-englischen Formulierungen.
        Ab der Reichsgründung 1871 gab es eine Kaiserliche Marine für das Deutsche Reich, die eine so gut wie nicht vorhandene Tradition u.a. mit sehr ausufernden Dienstgrad-Bezeichnungen und Funktionen zu kompensieren gedachte (so jedenfalls scheint es heute aus der Rückschau). Allerdings zeigt ein Blick nach Großbritannien, wo sich die Art und Weise der Bezeichnungen erhalten hat (siehe bei den Deckoffizieren), daß es auch andere Gründe geben kann.

Die Vielfalt der Dienstgrade stand den optischen Erscheinungen in Uniformen und Abzeichen in nichts nach. Wir Nachgeborenen haben heute erhebliche Probleme einigermaßen Struktur in diese Vielfalt zu bringen. Im Gegensatz zu heute, waren die Dienstgrad-Bezeichnungen und -Gruppen noch nicht so klar definiert und überschaubar. Dies trifft vor allem auf die Gruppen der Mannschafts-Dienstgrade sowie der Unteroffiziere mit und ohne Portepee zu.  Die Dienstgrade der Offiziere waren auch schon zu dieser Zeit relativ klar strukturiert  und haben seit dem nur wenig verändert.

Die größte Unsicherheit in Bezug auf der Verständlichkeit bzw. Zuordnung geht von daher von den Mannschaften bzw. den Unteroffizieren (mit und ohne Portepee) aus. Wobei die Mannschaften noch relativ homogen auftraten und auch bei den Abzeichen nicht allzuviel Verwirrung stiften. Dafür wurde es bei den Unteroffizieren um so bunter. Es soll hier der (erstmalige) Versuch gemacht werden ein wenig Licht in das "Gestrüpp" zu bringen. Inwieweit das gelingt ist eine andere Sache ... und wird mit Sicherheit erst im Laufe der Jahre an Klarheit und Sicherheit gewinnen. Ich bitte also um Nachsicht bei etwaigen Fehlinterpretationen bzw. Unsicherheiten ... viele Dienstgrade konnte man nur durch die Kombination verschiedener Merkmale (die über die Uniform verteilt waren) sicher zuordnen.
        Ein weiterer nicht zu unterschätzender Faktor der Verwirrung ist die ständige Verwechselung von Dienstgraden und Abzeichen mit denen der späteren Marinen Deutschlands. Nach dem Kriegsende 1918 wurden die Dienstgrade und Gruppen z.T. anders sortiert, es gab neue Dienstgrade, alte fielen weg ... es wurden ganz andere Abzeichen verwendet usw.  Im Gegensatz zu anderen Nationen und deren maritimen Streitkräften entstand die deutsche Marine recht spät (wie auch der Nationalstaat) und (ganz wichtig !) es gab in der geschichtlichen Entwicklung immer wieder starke Brüche um nicht zu sagen Zäsuren. Vielen Menschen ist gar nicht klar, daß es Unterschiede zwischen den verschiedenen deutschen Marinen gab (unabhängig von irgendwelchen politischen Dingen). Das ist auch der Grund, warum selbst in Fachpublikationen immer wieder Fehler und Fehlinterpretatíonen zu finden sind.




Grobe Unterteilung der Dienstgrad-Gruppen innerhalb der Marine

- Mannschaftdienstgrade (im Marine-Deutsch auch als "Gast" - Mehrzahl: "Gasten" bezeichnet)  
- Unteroffiziere ohne Portepee (
im Marine-Deutsch auch als "Maat" - Mehrzahl: "Maaten" bezeichnet)
- Unteroffiziere mit Portepee (
im Marine-Deutsch auch als Meister oder "Bootsmann*" - Mehrzahl: "Bootsleute" bezeichnet)
- Deckoffiziere**
- Subaltern-Offiziere
- Kapitänleutnante (Gruppe der K.)
- Stabsoffiziere
- Flaggoffziere (Admirale)



*        es gibt von diesem Begriff sehr viele Ableitungen bzw. Variationen, die sich auf die Spezialtätigkeit des jeweiligen Soldaten beziehen
**      dieser Begriff schaftt mit am meisten Konfusion - nach heutigen Maßstäben gehören die Portepee-Unteroffiziere und die Deckoffziere
           in eine Gruppe ... immer wieder findet sich in alter wie neuerer Literatur der Begriff "Oberdeckoffizier". Der ist natürlich Unfug (in jeder Hinsicht), da es -  wenn überhaupt - "Ober"-Deckoffizier
           heißen müßte ... da es sich hier aber um eine Dienstgrad-Gruppe (und nicht um einen Dienstgrad handelt),  gibt es kein Ober- oder Unter- wie-auch-immer ...



Einjährig-Freiwillige waren keine Dienstgrad-Gruppe, sondern Soldaten mit höherem Bildungsstand, die für eine Karriere als Reserve-Offizier eine einjährige Vorausbildung machten. Später, als Reserve-Offizier, wurde die Ausbildung nach und nach (bei verschiedenen Reserveübungen) vollendet. 
        Diese Soldaten hatten keinen förmlichen Dienstgrad, sondern meldeten sich korrekt mit ihrem Status sprich der der Bezeichnung "Einjährig-Freiwilliger XYZ". Als äußeres Zeichen ihres Status als Reserveoffiziers-Anwärter trugen sie
einen nach oben offenen Winkel aus doppelter Wollschnur in den Reichsfarben Schwarz-Silber (statt Weiß)-Rot.

Das entsprechende Gegenstück (Pendant) der Reserve-Offiziere war der Portepee-Unteroffizier der Reserve. Das  waren in altgediente Soldaten im Reservistenstatus. Sie wurden optisch sprich uniformmäßig aus der Gruppe der jungen (aktiven)
Portepee-Unteroffiziere herausgehoben. Ihrer Erfahrung gemäß wie auch ihrer nicht so hoch einzustufenden körperlichen Fitness bekleideten sie Dienstposten die dies berücksichtigten: z.B. den (Kompanie)Feldwebel, im Soldatenjargon auch " Spieß" genannt oder den Wachtmeister (auf kleineren Schiffen oft auch ein Soldat im Maaten-Rang). Solche Soldaten erledigten unter anderem Verwaltungsaufgaben, waren für das Exerzieren zuständig und  beaufsichtigten die jungen Soldaten bei Tätigkeiten wie dem "Reinschiff" sprich dem Insstandsetzen und Reinigen von Unterkunft, Schiff und Kaserne. Im Laufe des Krieges 1914 - 1918 und später verzichtete man auf die (optische) Unterscheidung von aktiven Soldaten und Reservisten. Das hatte wohl auch etwas mit dem enormen Aufwand an Kosten und Material zu tun, der durch die Uniformen-Vielfalt entstand.

Es gibt noch eine andere Gruppe von Soldaten, die (heute) immer wieder für Verwirrung sorgt - die Offizierstellvertreter (siehe hierzu die Wikipedia). Sie stellten eine Art Spitzendienstgrad für verdiente Portepee-Unteroffiziere dar, denen man den Austieg in den Offizierstand nicht ermöglichen wollte oder konnte.
        Es gab im Kaiserreich vielerei Ressentiments aus unterschiedlichen Gründen, die sich u.a. in der Praxis der Beförderungen und in den Uniformen widerspiegelten ...oder an solch "Spitzfindigkeiten" wie sie sich im Falle des Großadmirals Alfred von Tirpitz zeigten: Das äußere Zeichen der Großadmiralswürde ist der Großadmiralstab ... aber ... Rang und Titel wurden 
Tirpitz zwar verliehen, aber nicht das dazugehörige Patent (er war daher nicht zum Tragen eines Großadmiralstabes berechtigt). Es kann gut sein, daß man den bürgerlich geborenen Tirpitz so von den uradeligen anderen drei anderen Großadmiralen separieren wollte. 
        Es muß auch an eine Eigentümlichkeit erinnert werden, die mindestens bis zum Ende des 1. Weltkrieges im deutschen Militär üblich war: man wurde zum Offizier gewählt (ja, gewählt - sic !) und erst später ernannt bzw. befördert .... Das ist einer der Gründe warum z.B. nur wenige Juden zu Offizieren ernannt wurden. Der Deutsche Kaiser Wilhelm II. wurde einmal darauf angesprochen, warum so wenige Juden Offiziere seien. Er antwortete darauf mit dem Hinweis, daß er seinen Offizieren nicht befehlen könne wen sie zu Offizieren wählen sollten ...  Das erklärte aber auch, warum manche "Beförderungen" so schnell und einfach gingen und andere überhaupt nicht. Das lag einfach an den Offizieren vor Ort, im Regiment. Ein Soldat der die Sympathie und Bewunderung seiner Kameraden errungen hatte, hatte es einfacher. Inbesondere aber evangelische (preußische) Offiziere hingen oft den antisemitischen Thesen des kaisernahen Adolf Stöcker  (und anderer) nach, der die Atmosphäre in den Offizierskasinos zum Teil massiv antisemitisch vermieste (vergleiche dazu die antijüdische Ausrichtung der Deutschen Christen). In katholisch dominierten Landesteilen wie z.B. in Bayern hatten es daher jüdische Offiziersbewerber zum Teil einfacher. Standesdünkel war aber damals ein durchaus verbreiteter Makel in Offizierkreisen. Daher gelang es Juden in den allermeisten Fällen nur zum Reserveoffizier aufzusteigen (wenn sie nicht vorher zum Christentum konvertierten). Der Offizierkreis mußte also jemanden zum Offizier wählen, erst nach dieser Wahl wurde das Ergebnis nach "oben" weitergegeben ... der Landesherr oder (bei der Marine) der Kaiser gaben dann das Offizierpatent aus, der dem Anwärter seinen Status als Offizier urkundlich verlieh bzw. garantierte. Dieses Verfahren war spätestens mit der Erringung der deutschen Wehrhoheit 1935 obsolet. Das drückte sich im 2. Weltkrieg u.a. dadurch aus, daß das Ritterkreuz des Eisernen Kreuzes an Soldaten jeden Standes verliehen wurde ... im Gegensatz z. B. des preußischen Hohenzollern-Ordens Pour le Mérit (des 1. Weltkrieges) , der nur an Offiziere verliehen wurde.







Einteilung der Dienstgrad-Gruppen im Detail


Gasten (Mannschaftdienstgrade) - Dienstgrad-Abzeichen siehe nachfolgend
- Matrose oder z.B. Segelmacher-Gast* (kein Dienstgrad-Abzeichen, nur eventuell ein Verwendungsabzeichen)
- Segelmacher*-Gefreiter - Dienstgrad-Abzeichen: nach oben offener gelber Winkel
- Segelmacher*-Obergefreiter - Dienstgrad-Abzeichen: nach oben offener gelber doppelter Winkel
- Segelmacher*-Stabsgefreiter** - Dienstgrad-Abzeichen: nach oben offenen Winkel aus doppelter Wollschnur (plus 1 Stern)
- Segelmacher*-Oberstabsgefreiter** - Dienstgrad-Abzeichen: nach oben offenen doppelter Winkel aus doppelter Wollschnur (plus 1 Stern)


*        jeweils die spezielle Funktion voranstellen - nach der seemänisch-militärischen Grundausbildung erhält jeder eine fachspezifische Ausbildung ...
**      die Dienstgrade des Stabs- bzw. Oberstabsgefreiten wurden erst im Laufe der Zeit eingeführt


Dienstgrade der deutschen Seeflieger respektive Marineflieger bis 1918






Maate (Unteroffiziere ohne Portepee) - Dienstgrad-Abzeichen: Anker mit Laufbahnabzeichen, Obermaat mit Krone darüber

- Segelmacher**-Maat
- Segelmacher**-Obermaat


*        Obermaat wie Maat, über dem Anker zusätzlich Kaiserkrone mit fliegenden Abzeichen
**      jeweils die spezielle Funktion voranstellen - nach der militärischen Unteroffiziers-Ausbildung erhält jeder eine
          fachspezifische Ausbildung ...







Meister (Unteroffiziere mit Portepee)* - Dienstgrad-Abzeichen: stehender Anker unter Kaiserkrone*4

- VizeMaschinist**            Einstiegs-Rang
- Maschinist**                   mittlerer Rang
- OberMaschinist**           Spitzenrang der Gruppe der "Deckoffiziere"***

...hier kann man mal Uniform-Bilder von Deckoffizieren sehen ... - Bild 1 - Bild 2 -
... damit ist zwar immer noch nicht alles klar ... aber man wird ja genügsam ...  
- originale URL (Gesamtseite, siehe auch Links unten - aber Vorsicht auch hier sind Fehler drin !)



*        "eigentlich" als Gruppe der Decksoffziere zu bezeichnen ... aber ...
          dem heutigen Sprachgebrauch entsprechend hier als Meister-Ebene ...
          ... die drei Meister-Ebenen Einstiegsgrad - mittlerer - Spitzengrad der Gruppe
           In anderen Marinen, die eine wesentliche längere Entwicklungsgeschichte haben, sind die Merkmale dieser
           Dienstgrad-Gruppe wesentlich besser bzw. deutlicher zu erkennen (siehe z.B. hier ). Es ist zu bemerken, daß

           sich eine Bezeichnungsweise in den traditionsorientierten britischen Streikräfte erhalten hat, die sehr der Praxis
            in den königlichen bzw. kaiserlichen Streikräften Deutschlands bis 1918 ähnelt ... 

**      jeweils die spezielle Funktion ohne weiteren Zusatz
***    es gibt gerade in dieser Dienstgrad-Gruppe extrem viele Sonderfunktionen und "Abspaltungen", die mit den unterschiedlichsten
          optischen Erscheinungen (Abzeichen/Uniform) und/oder "Privilegien" und Aufgaben verbunden waren ... siehe auch Feldwebelleutnant /Subaltern-Offiziere
*4       mit fliegenden Bändern, keine Abzeichen auf dem Ärmel, nur Schulterklappen, wenn doch (ältere Form) dann unter dem Emblem ein nach oben offener Winkel






Subaltern-Offiziere* - Dienstgrad-Abzeichen: die sogenannten "Kolbenringe" (mittelbreit)* mit dem sogenannten (See)Stern darüber
                                                                                        vergleiche Wikipedia

                                                                                                                              
Feldwebelleutnant** - war im eigentlichen Sinne der Spitzendienstgrad der Deckoffiziere, gehörte aber schon zu den Offizieren (Aufstieg aus dem Mannschaftsstand)
- Leutnant - Dienstgrad-Abzeichen: ein "Kolbenring", Schulterstücke ohneStern
- Oberleutnant - Dienstgrad-Abzeichen: zwei "Kolbenringe", Schulterstücke wie Leutnant ( aber 1 Sterne)


*          die "Kolbenringe" werden durch drei Strichstärken kombiniert symbolisiert: schmal (Hilfsfunktion) - mittelbreit (Leutnant) - breit (Admirale)
             gerade diese Dienstgrad-Gruppe erfuhr im Laufe der Zeit mehrere Namensänderungen ... die Dienstgrad-Steigerung sah dann so aus:
                   a) Secondeleutnant --> Unterleutnant --> Leutnant
                   b) Premierleutnant --> Leutnant --> Oberleutnant
             vergleiche hierzu auch die Dienstgrade der Bundesmarine (aktuell) in Bezug auf optische Erscheinung der "Kolbenringe"
             in diese Gruppe gehören auch die Ingenieure !
             zu den Merkwürdigkeiten gehört, daß der Dienstgrad-Sprachgebrauch (Funktion + Dienstgrad) der Subalternoffiziere
             sich an die Regelungen der  Maate anlehnte (siehe oben) ... das ging so weit, daß zusätzlich auch die
             Fachrichtungsabzeichen getragen wurden ...
**         Offiziersseitenwaffe (mit Portepee) am Mannschaftskoppel, Offiziersknöpfe, Offizierskokarde an der Kopfbedeckung
             




Gruppe der Kapitänleutnante - Dienstgrad-Abzeichen: zwei "Kolbenringe"*
                                                                                                                              
- KapititänleutnantDienstgrad-Abzeichen: Schulterstücke wie Leutnant (aber 2 Sterne)

*        später wurde der Dienstgrad internationalen Gebräuchen entsprechend durch zwei "Kolbenringe" dargestellt, die von einem schmalen Hilfsring
          unterbrochen wurden (heute noch übliche Darstellungsweise)





Stabsoffiziere - Dienstgrad-Abzeichen: "Kolbenringe", Details siehe auch Links
                                                                                                                              
- Korvettenkapitän - Dienstgrad-Abzeichen: Schulterstücke ohne Stern
- Fregattenkapitän - Dienstgrad-Abzeichen: Schulterstücke wie Korvettenkapitän (aber 1 Stern)
- Kapitän zur See - Dienstgrad-Abzeichen: Schulterstücke wie Korvettenkapitän (aber 2 Sterne)






Flaggoffiziere (Admirale) - Dienstgrad-Abzeichen: "Kolbenringe" siehe Links, damals entspricht heute
                                                                                                                              
- Konteradmiral
- Vizeadmiral
- Admiral
- Großadmiral





Dienstgrad- und Verwendungs-Abzeichen in der militärischen Luftschiffahrt (Marine)

Die militärische Luftschiffahrt der Marine begann (verglichen mit dem Heer) vergleichsweise spät und erst auf Druck des Luftschiffbaus Friedrichshafen auf Großadmiral Tirpitz mit dem Hinweis, daß "wenn er keine Luftschiffe ordere, man sie halt an die Engländer und Franzosen verkaufe". Das wirkte unverzüglich, dennoch begann die Marineluftschiffahrt recht zaghaft und von Pech verfolgt (siehe Verluste der Marineluftschiffe "L 1" und "L 2".  Da die Marine naturgemäß über seemännisch vorgebildetes Personal  verfügte, überwand sie (mit Hilfe ihres Ausbilders Hugo Eckener) schneller die Anfangsschwierigkeiten mit denen die Heeresluftschiffer doch einige Jahre zu kämpfen hatte (siehe vor allem terrestische und astronomische Navigation,Wetterkunde). Steuerleute und Motorenpersonal (Maschinisten) waren durchweg hervorragend ausgebildet, die speziellen Lernziele der Luftschiffahrt waren schnell erreicht.

Es gab bei der Marine neben den Seeoffizieren, Steuerleuten und Maschinisten u.a. auch die Segelmacher, die eigentlich von der Schiffahrt mit Takelage herstammten und die in der Kaiserlichen Marine noch sehr zahlreich vertreten waren. Sie kümmerten sich bei den Marineluftschiffen um die Gaszellen und alles darum herum. Beim Heer gab es dafür keine spezielle Fachrichtung, das war ein "Nebenjob" der Zellenmeister oder Zellenwart hieß. Bei der Marine waren diese Leute ursprünglich für die Wartung der Segel zuständig, auf Dampfern nannte man sie einfach (spöttisch) "Seeziegen", diese selber sagten nur "klarer Anker, klarer Kopf". Fachlich kümmerten sich diese Leute um allgemeine Instandsetzungsarbeiten am Schiff, um alle Gerätschaften beim Ankern, Ein- und Auslaufen, um die Beiboote usw.
        Mit den Spezialisten der Marine zogen auch die Dienstgrad-Abzeichen dieser Soldaten in den Alltag der Luftschiffer ein. In der Regel fuhren auf den Luftschiffen Soldaten der Dienstgrade Unteroffizier aufwärts, ausnahmsweise auch Mannschaftsdienstgrade. Wie auch beim Heer wurden die Uniformen und Abzeichen weiter genutzt. Der Sprachgebrauch der Dienstgrade wurde ebenfalls übernommen. Die Seeleute hatten oft diverse Zusatzlehrgänge, z.B. als Bediener irgendwelcher (kleinerer) Waffengeräte, z.B. Minen, Flugabwehrkanonen usw. Bei den Marineluftschiffen wurden sie u.a. als Waffenwarte und Verantwortliche für die Abwurfmunition (Bomben) eingesetzt.

Damit sind wir bei den optischen Hinweisen zur Verwendung der Soldaten im praktischen Alltag angekommen. Sie wurden unterhalb der Dienstgradabzeichen aufgenäht bzw. angezeigt. In der einfachen Form sieht man das beim Maschinistenmaat Adams auf dem Bild links. Dort steht unter seinem Dienstgrad (Abzeichen) "Maschinstenmaast" das Zeichen für die Fahrbesatzung*** eines Militär-Lenkluftschiffes. Die meisten Verwendungsabzeichen hatten eine rote Farbe. Es gab diverse Symbole für die unterschiedlichen Verwendungen. So zeigte die stilisierte Granate mit Flammenbündeln (oben) den Artilleristen bzw. Feuerwerker an, ein Flak-Artillerist hatte ein ergänztes Symbol mit stilisierten Flügel
n an der Seite. Der Funker wiederrum hatte ein Abzeichen mit einem Blitz, Maschinisten einen Propeller oder ein Zahnrad (je nach speziellem Gebiet). In den jeweiligen einzelnen Verwendungen wurde z.T. auch der Ausbildungsstand und eine eventuelle Vorgesetzten-Funktion durch entsprechende Abzeichen (in roter Farbe mit nach oben offenen Winkeln - siehe Beispiel hier) angezeigt.



***        Das zum Unterschied zu anderen Luftschiffern, die zum so genannten Bodenpersonal gehörten (Luftschifftrupps u.a.).  Die ausgebildeten Besatzungen faßte man zu
              Luftschiffkommandos zusammen. Dieses Kommando bildete quasi das mehr oder weniger fahrende Personal der Luftschiffertruppen. Es unterteilte sich in der Praxis
              in die ständige Fahrbesatzung des Luftschiffes und einen Schiffspflegetrupp. Fiel aus irgendwelchen Gründen (z.B. Krankheit) ein Mitglied der Fahrbesatzung aus,
              wurde ein Ersatzmann vom Schiffspflegetrupp rekrutiert. Das Luftschiffkommando umfaßte insgesamt etwa 50 Personen. Da der (vielfach temporäre)
              Wechsel zwischen den beiden Gruppen nicht selten war verwischte sich die "Grenze" in der Praxis, so daß man sich letztendlich als "ein Kommando", "eine Besatzung"
              empfand. Der Schiffpflegetrupp reiste dem Luftschiff bei einer Verlegung des Luftschiffes an einen anderen Lufthafen nach, war sozusagen "symbiotisch" mit ihm fest verbunden.







Links - die aber (leider) nicht unbedingt weiter führen ... oder vielleicht sogar noch mehr verwirren - sorry ...

- http://www.kleiner-kreuzer-dresden.de/html/dienstgrade_.html -
- http://www.lexikon-der-wehrmacht.de/Soldat/Marine/Marine.htm -
- http://de.wikipedia.org/wiki/Dienstgrade_der_Kaiserlichen_Marine -
- http://de.geocities.com/gabriel_pracht/1227492.htm -
- http://users.hunterlink.net.au/~maampo/militaer/glenn/marine/kaiserliche_marine_1914.htm -
- http://forum.uniforminsignia.net/viewtopic.php?p=9566 -
- http://en.wikipedia.org/wiki/Warrant_officer -
- Marineuniformen - http://kaiserliche.marineuniformen.de/index.php -




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